Heute eine freundliche und sehr schöne Einsendung von zwei engagierten Cthultisen:
Die klassische Attributsbestimmung bei Cthulhu leidet darunter, dass das Ausgewürfelte häufig nicht zum gewünschten Charakterkonzept passt. Ein Verschieben von Punkten kann diesem häufig auch nur entgegenwirken, wenn dabei soviel Spielraum eingeräumt wird, dass kein Unterschied mehr zu einem freien Verteilen einer gewissen Anzahl von Punkten bzw. einem Kaufsystem besteht.
Kaufsysteme wie das freie Verteilen von 92 Punkten sind auch aus diversen Gründen unbeliebt: In der Regel sind mehrere Korrekturen von Nöten bis sich Zufriedenheit einstellt und zu gerne werden die abweichenden Minimal- und Maximalwerte einiger Attribute übersehen. Außerdem wird häufig das Fehlen des Zufallselements bedauert, dass auch einmal Charaktere erlaubt, deren Attribute sich positiv oder negativ vom Durchschnitt abheben.
Die von uns bisher präferierte Alternative war, den Spieler eine Handvoll Reihen von Attributen auswürfeln und dann eine dieser Reihen wählen zu lassen. Wenn selbst dabei nichts Vernünftiges herumkam, durften eventuell noch ein paar Punkte verschoben werden oder es wurde eine weitere Reihe ausgewürfelt. Damit waren dann in der Regel zwar die Attribute für Spieler und Spielleiter zufriedenstellend, aber auch einiges an Zeit vergangen. Mikroprozessoren schaffen hier eine Abhilfe, sind aber aus anderen Gründen am Spieltisch eher unbeliebt.
Neben den bereits genannten Nachteilen ist all diesen Verfahren gemein, dass nicht selten unrealistische Attributskombinationen auftreten, wie ein Kraftprotz ohne jegliche Konstitution oder ein hochgebildeter Dummkopf. Natürlich können außergewöhnliche Umstände (wie z. B. Auswirkungen von Krankheiten oder Unfällen) solche Kombinationen rechtfertigen, sprengen aber meistens auch anderweitig die Grenzen der normalen Charaktererschaffung und erfordern eine individuelle Abstimmung mit dem Spielleiter.
Ehe wir uns an einer abstrakten Beschreibung unserer neuen Variante versuchen, lassen wir sie lieber für sich selbst sprechen und verweisen auf die Datei oder ihre druckerfreundliche Schwester. Da noch Platz auf dem Papier war, haben wir diesen für eine Kurzübersicht der restlichen Charaktererschaffung genutzt (an der sich aber nichts geändert hat).
Einige Eigenschaften:
- Die Erschaffung funktioniert schnell, ohne zusätzliches Papier oder technische Hilfsmittel und es braucht nichts außer dem Charakterkonzept im Hinterkopf behalten zu werden.
- Eine gewisse Zufallskomponente verbleibt, aber durch die große Würfelanzahl sind Extremfälle weiterhin sehr unwahrscheinlich.
- Ausgefallene Attributskombinationen sind unmöglich.
- Die Attributssumme wird in der Regel über dem Erwartungswert von 92 Punkten bei der klassischen Charaktererschaffung liegen. Wer möchte, kann dem entgegenwirken, indem er z. B. x zusätzliche W6 würfeln und dann die besten x Würfel aus dem Pool nehmen lässt.
- Häufig gestatten es die Würfel, ein Attribut auf 18 zu setzen. Wenn man dabei nicht gerade das Dreieck Stärke–Konstitution–Größe ausnutzt, ist der Preis hierfür aber eine niedrigere Attributssumme, da die doppelt zählenden Felder schwächer belegt werden. Und Bären (die dieses Dreieck nutzen) sind in Ctuhlhu sicher nicht übervorteilt.
- Powergaming ist weniger verführerisch und effizient – mal abgesehen davon, dass es bei Cthulhu eh fehl am Platze ist.
Autoren: Nadine „Valryne“ Schneider und Gerrit „Wrzlprmft“ Ansmann
