Und doch sah ich sie – ein nicht enden wollender Strom watschelnder, hopsender, quakender, blökender Gestalten, der sich unmenschlich unter dem gespenstischen Mond wie in einer grotesken, bösartigen Sarabande aus einem phantastischen Alptraum dahinwälzte.
-H. P. Lovecraft
Schatten über Innsmouth
B.U.A.P.? Klingt komisch, was soll das sein? Hinter den kryptischen Kürzeln verbirgt sich die „Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen“ (oder wie es im englischen Original heißt: “B.P.R.D. – Bureau for Paranormal Research and Defense), welche einigen sicherlich aus Hellboy bekannt ist. Wir haben es hier also mit einem Einsatzteam zu tun, dass dann seinen Auftritt hat, wenn etwas ganz und gar nicht normal verläuft. Wenn Hexen, Dämonen oder Untote Ärger machen, dann gibt es da jemanden, der sich darum kümmert.
Das Team
Stellen wir das Team (oder sagen wir zumindest ein Teil des Teams, denn die Behörde hat noch zahlreiche andere Mitarbeiter) doch einmal kurz vor, bevor wir uns seinen Missionen widmen:
Abraham „Ape“ Sapien ist ein Amphibienmensch mit geheimnisvoller Herkunft, der an ein freundliches Tiefes Wesen aus Innsmouth erinnert.

Johann Kraus, ein Medium das mehr Geist als Körper ist und mit den Verstorbenen in Kontakt treten kann.
Liz Sherman, eine junge Frau die über pyrokinetische Kräfte verfügt.
Roger ist ein Homunkulus, ein aus menschlichem Blut und Kräutern erschaffenes Wesen, das durch die Kräfte von Liz zum Leben erweckt wurde.
Dann wäre da noch Dr. Kate Corrigan, eine ehemalige Professorin mit den Fachgebieten Volkskunde und Okkultismus.
Tja und eigentlich fehlt nur noch Hellboy. Aber der hat die Behörde inzwischen (Hellboy Band 6 – Sieger Wurm) verlassen und ist nach Afrika unterwegs (Hellboy Band 7 – Seltsame Orte), wo er auch genug allein zu tun hat. Wie die B.U.A.P. nach Hellboys Rückzug mit dem Verlust umgeht, liest man in B.U.A.P. Band 1 – Hohle Erde. Wir widmen uns jedoch direkt dem 2. Band und der Froschplage.
Die Mission
Das Team ist vorgestellt, schauen wir uns doch an, wie sie ihre Arbeit machen, ohne allzu viel zu verraten. Band 2 erzählt insgesamt drei Geschichten, zwei kürzere (Dunkle Wasser & Im Osten nichts Neues) und eine längere (Die Froschplage), wobei die Froschplage der Auftakt zum großen Metaplot der B.U.A.P. ist und unmittelbar mit den Ereignissen aus Hellboy Band 1 – Saat der Zerstörung verknüpft ist.
Dunkle Wasser berichtet von einem kleinen Städtchen namens Shiloh, irgendwo an der Küste Neuenglands, unweit entfernt vom hexenverseuchten Salem. Alles beginnt so harmlos, denn in der „Kabeljauhauptstadt“ soll der schlammige Pfuhl, den die Einwohner als Teich bezeichnen, abgepumpt werden, um Raum für touristische Veränderungen zu schaffen. Leider holt die Stadt Shiloh die Vergangenheit ein, denn auf dem Grund des Teichs liegt weitaus mehr als Schlamm und Dreck… Ape Sapien und Roger nehmen die Ermittlungen auf! Tolle Geschichte mit großartigem Auftakt und einem erschreckenden Ende. Von da an, war ich von der Geschichte um die B.U.A.P. gefesselt.
Im Osten nichts Neues ist ein kleines Intermezzo von zehn Seiten, in der sich Ape Sapien und Johann Kraus im felsigen Moldawien gegen einen uralten Adligen und Untote erwehren müssen. Gerade wenn die Atmosphäre stimmt, ist die Geschichte auch schon wieder zu Ende, doch als kleines Bonbon ist sie für zwischendurch wirklich nett.
Nun das Herzstück des Bandes – Die Froschplage. Seltsames geht vor in einem heimlichen Labor und nach einem Überfall durch einen Professor, wird das Team der B.U.A.P. hinzugezogen. Die Geschichte entwickelt sich sehr schnell, gewagte Experimente und unheimliche Metamorphosen gehen zusammen und spannen eine lovecraftsche Story, die auf Hellboys erstes Abenteuer fußt. Es wäre tragisch die Geschichte schon hier zusammenzufassen, denn von glitschigen Grünhäuten und einen Blick in Ape Sapiens Vergangenheit, bis hin zu einer Inkarnation eines gottgleichen Wesens, bietet die Froschplage genug zu entdecken. Ein guter Start für einen packenden Metaplot und genug zu tun für die B.U.A.P.
Der Gesamteindruck
B.U.A.P. sieht erstmal richtig gut aus. Es ist ein Hardcover, das Papier ist dick und der Inhalt wurde exzellent von Guy Davis illustriert. Im Gegensatz zum ersten Band von B.U.A.P. ist der zweite Band in Farbe gehalten (wobei der Nachdruck des ersten Bandes bald auch in Farbe erscheint) und hat rund 170 Seiten.
Ich kannte vorher weder Hellboy (vom Kinofilm einmal abgesehen) noch B.U.A.P. und war daher äußerst positiv überrascht. Anspielungen auf Lovecraft gibt es genügend. Allein die Kreaturen der Froschplage erinnern an ein kleines Dörfchen in Neuengland namens Innsmouth und auch von der Atmosphäre her, tritt Mignola in die Spuren des kosmischen Grauens. Natürlich auf eine deutlich pulpigere Art und Weise.
Insgesamt also ein schöner Comic, oder wie man mittlerweile sagt Graphic Novel. Das lesen macht Spaß, ist leider viel zu schnell vorbei und es bleibt der Hunger nach Band 3. Jeder der Freude an so was hat, sollte mal einen Blick in die wunderschöne Ausgabe riskieren. Einzig der Preis von 19,80€ könnte abschrecken, aber hey: Es lohnt sich und was ist heute schon umsonst?! Wer nicht die Katze im Sack kaufen will, findet bei CrossCult eine kleine Leseprobe.