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Mittelalter – die dunklen Jahre

Heiko Gill hat sich auf der Pegasus-Hompage zum kommenden Mittelalterband geäußert:

Dieser Band erschließt für das Rollenspiel Cthulhu – wie der Name schon sagt – die geschichtliche Epoche des Mittelalters. Allein daraus ist ersichtlich, dass es sich nicht um eine Neuauflage des Cthulhu 1000 AD handelt – denn während jener inzwischen vergriffene Sonderband der Cthuloiden Welten die Zeit um das Jahr 1.000 beleuchtete, erfasst Mittelalter rollenspielerisch volle 1000 Jahre Menschheitsgeschichte. Genauer: die Jahre 600 bis 1600!

Zugegeben – wollte man dieses Ziel komplett verfolgen, würde die benötigte Materialfülle dem Großen Brockhaus Konkurrenz machen. Daher sind Schwerpunkte zu setzen und Verzettelungen zu vermeiden. Der Fokus liegt hierbei auf “Europa / Heiliges Römisches Reich”.

Warum überhaupt “Mittelalter”? Rückt Cthulhu damit in die Nähe von Fantasy? Keineswegs – cthuloide Magie bleibt unbegreifbar, Monster mutieren nicht zu Dungeon-Bewohnern, und die weltlichen und geistlichen Herrscher sind so real (und historisch korrekt), wie es nur möglich ist.

Man muss sich nur vor Augen führen, wie viele Wurzeln cthuloider Schrecken im Mittelalter liegen, um die Frage nach dem “warum” zu beantworten. Hier können Spieler und Spielleiter “live” dabei sein, wenn beispielsweise das Hauptwerk des Cthulhu-Mythos – das Necronomicon – verfasst, übersetzt, unterdrückt oder für bizarre Experimente verwendet wird. Düstere Kulte entstehen in dieser Zeit, wie auch ihre Gegner deutlich stärker im Rampenlicht stehen als später in den 1920er Jahren.

Und es wird noch ein wenig genauer auf den Band und seinen Inhalt eingegangen:

Zunächst werden – unterteilt in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter – die bedeutsamsten Ereignisse geschildert, aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Reichen, wie z.B. Heiliges Römisches Reich, Byzanz oder Kalifate. Spieltipps verweisen auf zeitgenössische Mythosbücher, ortsansässige Monster und bekannte Persönlichkeiten mit cthuloiden Hintergründen. Nicht zuletzt gibt es zu jedem in den behandelten 1000 Jahren amtierenden Papst Spielinformationen.

Danach wird das Leben im Mittelalter beleuchtet – was gab es für gesellschaftliche Stände, wie war das Leben auf dem Dorf, in der Burg, in der Stadt? Beispielhaft werden zwei Burgen und die Städte Köln und Hamburg als mögliche Handlungsschauplätze vorgestellt.

Das Mittelalter ist Kirchengeschichte. Entsprechend stark wird der mittelalterliche Glaube gewürdigt, sowie die aus ihm resultierenden Ritterorden, Klöster und natürlich – die Inquisition. Und allein am Beispiel der Inquisition lässt sich vor Augen führen, wie schnell Mittelalter von einem “Geschichtsbuch” abweicht, ja abweichen muss: Landläufig gilt die Inquisition in unseren aufgeklärten Zeiten als irregeleitet, wenn nicht verbrecherisch und böse. Doch Cthulhu ist ein Horror-Rollenspiel. Die Dinge, welche die Inquisition verfolgte … sind hier Realität, oder können es sein! Inquisitoren können zwar trotzdem irregeleitet sein, vielleicht sind sie aber auch gerechte Kämpfer der “guten Sache”. Eines sind sie keinesfalls: eindimensional.

Unter anderem werden auch in Kurzvorstellungen diverse Lebensläufe echter oder literarischer Persönlichkeiten geliefert, von Abdul Alhazred bis zu Dr. John Dee – der Spielleiter wird es einzurichten wissen, dass man ihnen zur rechten Zeit am rechten Ort begegnet und so “cthuloide Geschichte pur” erleben kann.

Der Regelteil schließlich sorgt für zeitgemäße Berufe und Fertigkeiten als Ergänzung zu Spieler- und Spielleiter-Handbuch, wie auch entsprechende Regeln für Kampf, körperliche und geistige Gesundheit.

Natürlich wäre der Band nicht vollständig, wenn er keine Abenteuer enthalten würde. Sofort losspielen kann man in dem One-Shot “Im Dienste der Schlange” mit vorgefertigten Wikingern, oder kämpft auf einer hochmittelalterlichen Burg gegen die “Kinder der Dunkelheit”.

Heiko Gill

für die Cthulhu-Redaktion

Das klingt ganz nach einem umfassenden Werk. Jetzt heißt es nur noch abwarten ;) Diskussionen dazu gibt es übrigens im Cthulhu-Forum, wo ich auch den Hinweis auf die News gefunden habe :)

7 Kommentare

  1. War ich vorher doch etwas skeptisch, was Cthulhu MA angeht, so bin ich jetzt doch tatsächlich etwas neugierig geworden. Werde auf alle Fälle mal hineinschauen, wenn er denn endlich draußen ist. :)

  2. Ich kann das nicht verstehen … was soll denn der Reiz an Cthulhu im Mittelalter sein?

    Das ist doch einfach nur weiterer beliebiger Horror im Mittelalter. All die Kriterien, die eine gute Lovecraftgeschichte ausmachen ziehen doch im Mittelalter nicht.

    Der abstrakte Schrecken, der die lovecraftschen Protagonisten befällt ist doch gar nicht möglich, das würde doch erst ab der Renaissance klappen.

    Im Mittelalter waren die Menschen an Schrecken und Elend gewöhnt, der Tod und Leichen waren nichts besonderes, Dämonen und Teufel gab es wirklich, das wußte doch jedes Kind und es war für einen überwiegenden Großteil der Menschen unmöglich die nächste große Stadt zu erreichen, da relativiert sich die Entfernung zum Yuggoth doch gleich. Und die Erde war eine Scheibe, von deren Rand man herunterfallen konnte, wenn man unvorsichtig war, solche Leute schreckt der Begriff “nichteukidisch” dann auch nicht mehr sonderlich.

    Mit Kulten wurde kurzer Prozess gemacht und die wurden einfach ganz pragmaitisch niedergemetzelt (Katharer, Templer etc)

    Der Große Cthulhu verkommt doch dann einfach nur zu einem Teufel unter vielen anderen.

    Außerdem waren die Menschen damals sehr viel härter im Nehmen als der klassischen Lovecraftprotagonist, all die finsteren Werke haben zwar letztlich die Autoren wahnsinnig gemacht (wobei das ja eigentlich nur bei einem belegt ist) aber sie haben ihre Werke beendet, bei Lovecraft werden die Typis schon wahnsinnig, wenn sie spärliche Auszüge aus schlechten Kopien dieser Werke lesen.

    Alles in allem weiß ich nicht wo der Reiz ist. Mit Lovecraft hat es jedenfalls nichts zu tun.

    Ciao,

    Martin

  3. Na, ich sehe da schon eine starke Differenz zwischen einem christlichen Weltbild samt Teufel- und Dämoneninventar und dem modernen, nihilistischen lovecraftschen Horror, und das könnte doch durchaus für einen reizvollen Kontrast sorgen. Immerhin gehört zu den zentralen Vorstellungen des europäischen Mittelalters die, das Gott exisitiert – und wenn diese Überzeugung durch Konfrontation mit Wahrheiten des Mythos ins Wanken gerät, dann dürfte das durchaus auch das Nervenkostüm eines “knallharten Mittelalterbewohners” ankratzen …

  4. Hi.

    [KlugscheisserModus On]Im Mittelalter hat (so gut wie) niemand geglaubt, dass die Erde eine Scheibe ist.[KlugscheisserModus Off]
    >Immerhin gehört zu den zentralen Vorstellungen des europäischen Mittelalters die, das Gott exisitiert – und wenn diese Überzeugung durch Konfrontation mit Wahrheiten des Mythos ins Wanken gerät, dann dürfte das durchaus auch das Nervenkostüm eines “knallharten Mittelalterbewohners” ankratzen …<
    Die Existenz fremder Götter beweist doch nicht die Nicht-Existenz des eigenen ;)

    Gruß
    Bernd

  5. Kommt halt drauf an, wie der Lovecraftsche Horror interpretiert wird und wie das im Spiel rüberkommt … ich hänge da eben der “Berge-des-Wahnsinns”-Interpretation an, und vielleicht kann man ja auch in einer Mittelalterrunde rüberbringen, dass hinter dem Grauen des Mythos eben gerade keine höhere Ordnung steht, sondern nur ein unpersönlicher Kosmos. Das würde das mittelalterliche Weltbild dann weit mehr erschüttern als ein modernes. In der Moderne hat man sich wahrscheinlich zumindest mal intellektuell mit der Vorstellung auseinandergesetzt, dass das Universum unpersönlich ist und Menschen nicht von einer höheren Macht für Gehorsam und richtiges Handeln belohnt werden. Deshalb sind ja die typisch modernen Glücksversprechen auch weltlich (ob sie nun Konsum oder Kommunismus lauten), im Gegensatz zu den typischerweise aufs Jenseits gerichteten Glücksversprechen der Religionen.
    Und genau die Vorstellung eines glücklichen Lebens nach dem Tod läuft dem Lovecraft-Kosmos ja nun absolut zuwider.
    Klar, wenn der cthulhoide Horror nur aus einem Monsterinventar besteht, dann wird selbiger im abergläubischen Mittelalter entschärft. Aber als existentielles Grauen gibt es keinen Grund, warum er nicht auch im Mittelalter bestens funktionieren sollte.

  6. Sagen wir mal so, Lovecrafts Geschichten spielten in der Zeit von Lovecraft und er war sehr modern. Da passt Mittelalter nur bedingt, aber man muss eh das fertige Produkt abwarten. Wird ja eh auch ein halbes Geschichtsbuch werden.

    >dass hinter dem Grauen des Mythos eben gerade keine höhere Ordnung steht, sondern nur ein unpersönlicher Kosmos. Das würde das mittelalterliche Weltbild dann weit mehr erschüttern als ein modernes. <

    Guter Hinweis

    Gruß
    Bernd

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