
Mächte des Wahnsinns Cover
John Trent (gespielt von Sam Neill) ist Versicherungsdetektiv, ein verdammt guter sogar, doch sein neuer Auftrag ist nicht so simpel wie es auf den ersten Blick scheint. Die Sache beginnt jedoch ganz einfach: Ein Verleger (gespielt von Charlton Heston) beauftragt Trent den verschwundenen Autoren Sutter Kane (gespielt von Jürgen Prochnow) zu finden. Kane, ein Top-Horror-Autor ist nicht nur eine wahre Goldmine für den Verlag sondern auch ein weltweites Phänomen: Seine Bücher verkaufen sich zu Tausenden und seine Fans gieren bereits nach dem nächsten Roman, doch dieser ist, ebenso wie sein Autor verschwunden. Hier liegt auch das Problem: Der Verlag braucht das Manuskript und den Schriftsteller und Trent soll beides finden. Der Versicherungsdetektiv wittert recht schnell das es sich hier wohl um einen gut ausgeklügelten Marketingtrick handelt und nachdem er einigen Hinweisen auf den Grund gegangen ist, macht er sich mit der Verlagsangestellten Linda Styles (gespielt von Julie Carmen) auf den Weg. Sie erreichen das Städtchen Hobbs End, auf eine recht unkonventionelle Weise und nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass in dem kleinen Städtchen nicht alles so ist, wie es scheint. Und überhaupt dürfte diese Stadt doch gar nicht existieren, denn sie ist Kanes Büchern und Ideen entsprungen! Die weiteren Ermittlungen führen Trent immer mehr an den Rand seines Verstandes und er bekommt die Mächte des Wahnsinns zu spüren, die ihn gierig verzehren.
Es gibt nur ganz wenige Filme, die es wirklich schaffen die Atmosphäre von Lovecrafts Geschichten einzufangen und „Die Mächte des Wahnsinns“ von John Carpenter ist so ein Film. Der 1994 erschienende Streifen war bei den Kritikern allerdings nicht sonderlich beliebt und spielte seine Kosten von 14 Mio. US-Dollar nicht wieder ein. Dennoch lohnt es sich den Film näher anzuschauen, auch wenn er heute nicht mehr so einfach erhältlich ist, denn eine DVD-Version ist im Handel schon längere Zeit vergriffen.

John Trent
Was macht den Film nun zu etwas Besonderem? Neben den zahlreichen Anspielungen auf die Werke Lovecrafts (es gibt eine Mrs. Pickman, die Großen Alten kommen in gewisser Weise vor, der allgegenwärtige, menschenverschlingende Wahnsinn, usw.) ist der Stil des Films äußerst surreal und verdient wirklich den Titel „Horrorfilm“ in seiner ursprünglichen Bedeutung. Horror spielt sich im Kopf ab und zeichnet sich nicht durch Unmengen Blut oder verstümmelten Typen in einer Jugendherberge aus. Natürlich muss man so als Zuschauer etwas mehr investieren um den Horror auszukosten, aber er wird so eher erfahrbar als durch den Ekel, der übrigen Filme, der relativ schnell erzeugt werden kann und auch wieder schnell vergessen wird.

Verleger, Linda Styles und John Trent
„
Die Mächte des Wahnsinns“ ist nicht nur Titel sondern Programm. Trents Überzeugungen, ja, sein ganzes Leben wird völlig auf den Kopf gestellt und aus dem „freien Mann“ wird eine willenlose Marionette. Der Absturz des Versicherungsdetektivs führt immer tiefer in die Finsternis eines Grauens, das von einem Schriftsteller erschaffen wurde und gar nicht real existieren dürfte. Der Film spielt mit verschiedenen Realitäten und unmöglichen Situation, die am Zuschauer ebenso nagen wie an Trents Verfassung. Sam Neill ist dabei tatsächlich eine ideale Besetzung und stellt den verstörten Detektiv ausgezeichnet dar. Mit ruhiger Stimme berichtet er dem Arzt im Sanatorium von seiner Situation. Verzweifelt versucht er aus der Stadt Hobbs End zu fliehen und zerrüttet bemüht er sich, trotz der Erläuterungen Kanes, das verstandzerfetzende Manuskript zu vernichten – erfolglos.

Das Buch
Natürlich ist auch dieser Film nicht ohne Mängel. Die Effekte wirken heute doch recht plump und die Schockszenen sind nichts im Vergleich zu „
The Grudge 2“. Ich persönlich mag keine übertriebenen Schockszenen, darum kann ich damit leben. “
The Grudge 2″ war im Übrigen auch kein guter Film, er war vielmehr unglaublich anstrengend zu gucken, gerade im Kino, aber vielleicht folgt dazu irgendwann auch eine Rezension. Natürlich sieht man den “
Mächten des Wahnsinns” auch den Zahn der Zeit an. Die „Großen Alten“ würden heute natürlich mit ausgefeilter Computergrafik zum Leben erweckt werden, doch daran war damals überhaupt nicht zu denken. Einige Schocker wirken heute auch überhaupt nicht mehr (wer den Film kennt weiß was ich meine, wenn man an die Leseszene von Trent und den Polizisten denkt), da man viel hektischere Schnitte gewohnt ist, aber trotz dieser kleinen „Mängel“ bleiben die „
Mächte des Wahnsinns“ sehenswert. Ich kenne nicht viele Filme die sich aus Lovecrafts Werken bedienen und dann die Atmosphäre so gut einfangen John Carpenter verstand es damals mit „
Halloween“ und auch „
The Fog“ sehr gute Horrorfilme zu drehen, die heute den Status von Klassikern einnehmen. Die „
Mächte des Wahnsinns“ verdienen es ebenfalls dazuzugehören.
Yo, absolut klasse Film!