Oliver Adam ist dieses Mal unser geschätzter Interviewpartner. Oliver hat nicht nur an der Deutschland-Box mitgearbeitet, sondern gestaltet auch die Umfragen auf der Homepage der Cthuloiden Welten. Sein neustes Projekt ist ein längeres Abenteuer in dem bald erscheinenden Buch „Niemandsland – Grabenkrieg & Heimatfront“, was sich mit den Schrecken des Ersten Weltkrieges beschäftigen wird. Erste Hinweise worum es in dem Abenteuer gehen wird, könnt ihr hier bei uns im Interview lesen.
Cthulhu-Team: Erstmal vielen Dank Oliver, dass Du dir die Zeit nimmst für das Interview und wir starten auch ganz harmlos: Stell auch Du dich einfach mal kurz vor!
Oliver Adam: Mein Name ist Oliver Adam, ich bin Jahrgang 1973 und wohne in Karlsruhe. Im „richtigen Leben“ arbeite ich als Marketing-Projektleiter eines großen internationalen Distanzhandelsunternehmens. Einen großen Teil meiner verbleibenden Freizeit verbringe ich mit Strategie- und Rollenspielen sowie Reisen in exotische Länder wie Vietnam, Thailand oder Indien. Dabei investiere ich viel Zeit in meine regelmäßigen Cthulhu-Spieleabende sowie – in letzter Zeit leider viel zu selten – in Autorentätigkeiten.
CT: Wie bist Du denn auf das Rollenspiel Cthulhu aufmerksam geworden?
OA: Angefangen hat alles im Alter von vielleicht 14 Jahren mit der roten Dungeons & Dragons-Box. Damals sind wir mit an die Zähne bewaffneten sehr stereotypischen Heldencharakteren durch riesige Verliese gestapft und haben Erfahrungspunkte und Gold gesammelt. Am Anfang hat uns das auch sehr glücklich gemacht, aber nach einigen Jahren hat man sich dann doch auf dem Rollenspielmarkt umgesehen, und da traf ich auf das nahezu unaussprechliche Rollenspiel Cthulhu, das „ganz anders als alle anderen Spiele“ sein sollte. Mein erstes Abenteuer war dann auf dem Frankfurter Euro-Con (das könnte so um 1989 gewesen sein) „Dead man stomp“, das viele Jahre später als „Blues für Marnie“ ins Deutsche übersetzt wurde. Ich war sofort fasziniert von Cthulhu und diese Begeisterung hat bis heute nicht nachgelassen.
CT: Das erste Abenteuer hat ja immer eine besondere Faszination, was hat dich denn bei „Blues für Marnie“ regelrecht umgehauen?
OA: Die unvergleichliche Atmosphäre von Cthulhu hat mich sofort in den Bann gezogen. Es ging hier nicht darum Schätze zu sammeln und einen strahlenden Helden darzustellen. Stattdessen spielte man einen verletzlichen „normalen“ Charakter, der in etwas hinein gezogen wird, das viel zu groß für ihn ist. Zudem war es keine abstrakte Fantasy-Welt sondern unvergleichlich unsere Welt – wenn auch in den Zwanziger Jahren – was den Schrecken viel direkter werden ließ. Als dann im Showdown von „Blues für Marnie“ tatsächlich die Trompete auf dem Friedhof erschallte und der Boden unter uns zu Beben begann, war ich sicher, endlich mein Lieblingsrollenspiel gefunden zu haben.
CT: Hattest Du eigentlich schon vorher Erfahrung mit Horrorrollenspielen oder war Cthulhu der Einstieg in das gesamte Thema?
OA: Ich hatte zuvor viele Erfahrungen mit Horror-Büchern und –Filmen gesammelt, aber ein richtiges Horror-Rollenspiel hatte ich zuvor noch nicht erlebt. Bei unseren Dungeons & Dragons-Runden habe ich aber immer die Geschichten bevorzugt, die in Richtung Horror gingen.
CT: Und wie kamst Du dazu für Cthulhu zu schreiben?
OA: Zum Schreiben für Cthulhu kam ich eher durch Zufall. Im Cthulhu-Forum hatte ich mich über eine Umfrage beschwert und mich darüber ausgelassen, was man alles besser machen könnte. Kurz darauf kam dann Frank Heller auf mich zu und bot mir an, die Umfragen auf der Cthuloide Welten-Homepage und auch im Magazin zu übernehmen.
CT: An was hast Du denn schon alles mitgearbeitet?
OA: Seitdem stammen die monatlichen Umfragen auf der CW-Homepage von mir, wobei sie in den letzten Jahren eine deutlich Wandlung von analytischen zu eher humoristischen Zügen genommen haben. In diesem Zusammenhang entstand auch die große Leserumfrage in der CW 7. Meine ersten „richtigen“ Texte habe ich dann für die Deutschland-Box geschrieben, die wohl auch für viele „junge“ Autoren einen Einstiegszeitpunkt geboten hat. Am bedeutendsten sehe ich meine Mitarbeit am im Oktober erscheinenden Weltkriegs-Band. Hierfür habe ich einige Artikel zu Giftgasen und bedeutenden Persönlichkeiten verfasst sowie mit meinem langjährigen Freund Uwe Weingärtner das umfangreiche Abenteuer „Ein Sommenachtsalptraum“.
CT: Kannst du uns etwas mehr zu „Ein Sommenachtsalptraum“ erzählen?
OA: Das Abenteuer verschlägt die Spielercharaktere in den Wirren des Weltkriegs zur Schlacht an die Sommefront. Dort ergründen sie auf Befehl der Armeeführung außergewöhnliche Häufungen von Desertationen, psychischen Zusammenbrüchen und Selbstmorden an einem bestimmten Frontabschnitt. An der Front werden sie auf unbeschreibliches Grauen treffen – zuerst weltlicher, später auch sonderbarer Natur. Im Verlauf des Abenteuers, werden sie immer tiefer in den Strudel von Wahnsinn und Tod gezogen werden und in einem stürmischen Finale wird sich der Sommer an der Sommefront als schrecklicher Alptraum erweisen.
CT: Und der Band wird pünktlich zur Spielemesse in Essen erscheinen?
OA: Soweit ich informiert bin, gab es keine weiteren Verzögerungen.
CT: Wirst Du auch da sein und dein Abenteuer in Proberunden anbieten oder ist es dafür zu umfangreich?
OA: Entsprechend meiner Planungen werde ich auf der Spielemesse anwesend sein. Das Abenteuer ist jedoch definitiv zu lang für die Spielemesse. Bei den Proberunden auf Cons kamen wir auf rund 8 Stunden Spielzeit – obwohl an einigen Stellen abgekürzt wurde – und ich sehe keine Möglichkeit noch weitere Zeiteinsparungen zu machen, ohne den Spannungsbogen aufzugeben. Bei meiner regelmäßigen Spielgruppe haben wir 2 mal bis tief in die Nacht gespielt.
CT: An was arbeitest Du denn im Moment?
OA: Aktuell schwirren mir einige Motive für Abenteuer durch den Kopf, die allerdings noch im Entstehungsstadium stecken. Schon seit einiger Zeit sammle ich Ideen für einen One-Shot, der das Weihnachtsfest zum Hintergrund hat und in dessen Mittelpunkt die Charaktere als Kinder stehen. Etwas weiter entwickelt ist bereits ein Cthulhu Now-Abenteuer mit dem Arbeitstitel „Naked shall you return“, das sehr provokativ die Themen Wiedergeburt, Abtreibung und die Suche nach dem perfekten Leben aufgreift und mit dem Hintergrund eines Charakters verknüpft.
CT: One-Shots bieten sich für Cthulhu geradezu an, oder?
OA: Definitiv ja. Mit One-Shots kann man hervorragend außergewöhnliche Hintergründe, Epochen und Plots aufgreifen und den Spielern näher bringen. Außerdem kann man dadurch sehr viel Abwechslung in die Spielgruppe bringen. Viele meiner besten Spieleabende waren One-Shots.
CT: Kannst Du denn auch Kampagnen etwas abgewinnen?
OA: Von den großen Kampagnen habe ich bisher nur Orient Express gespielt und der kam bei meiner Gruppe sehr gut an. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es bei den wirklich ausgiebigen Kampagnen schwierig ist, den Spannungsbogen dauerhaft aufrecht zu erhalten und die Charaktere immer wieder von neuem zu überraschen.
Ich finde, für Cthulhu eignen sich Abenteuer am besten, die sich über 2-4 Spielabende erstrecken. Diese kann der Spielleiter dann inhaltlich und charakterbezogen verknüpfen.
CT: Ist das Schreiben für Rollenspiele wirklich eine „brotlose Kunst“?
OA: Von der finanziellen Seite betrachtet, steht der Aufwand sicherlich in keinem Verhältnis zur Auszahlung. Aber darum geht es mir auch nicht. Stattdessen möchte ich dem Hobby, das mir zahllose schöne Stunden bereitet hat auch wieder etwas zurückgeben und an dessen Weiterentwicklung teilhaben.
CT: Was sind denn deiner Meinung nach die besten Cthulhu-Szenarien überhaupt?
OA: Sich auf ein oder zwei „beste Abenteuer oder Szenarien“ festzulegen ist eine sehr schwierige Entscheidung. In englischer und deutscher Sprache gibt es viele vorzügliche Publikationen, die ich bei Weitem noch nicht alle als Spielleiter oder Spieler erleben durfte. Zudem kann die Zusammensetzung oder Tagesform einer Gruppe aus einem mittelmäßigen Szenario ein unvergessliches Erlebnis machen oder aus einem hervorragenden Abenteuer einen belanglosen Spielabend.
Bei mir hat „Die Froschkönig-Fragmente“ von Steffen Schütte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Wohl auch weil es nach einer längeren Cthulhu-Abstinenz wieder das erste Abenteuer war. Auch mit „Siegfriedslust“ (aus “Kleine Völker”) hatte ich großen Spaß. „Der Nebel der Wahrheit“ aus dem London-Band war für mich das bisher beste investigative Abenteuer, und mit dem Szenario „Vom Winde verwest“ aus „Zeitlose Ängste“ hatte ich viele spannende Support-Runden.
CT: Ein Bunter Mix der Epochen: Von Gaslicht über die 20er bis in die 50er Jahre ist alles dabei, ist Dir prinzipiell jede Epoche recht, solange der Plot des Abenteuers stimmt?
OA: Vollkommen. Eine große Stärke von Cthulhu ist die Flexibilität, Abenteuer in ganz unterschiedlichen Epochen und Regionen anzusiedeln. Für mich steht dabei immer der Plot im Mittelpunkt eines Abenteuers, und im Idealfall steht dieser im Einklang mit der Epoche in der er angesiedelt ist.
CT: Wenn Du eines deiner Abenteuer empfehlen müsstest, welches wäre das denn?
OA: „Ein Sommenachtsalptraum“ aus dem Weltkriegsband. Zusammen mit Uwe Weingärtner habe ich viele Stunden und Tage an dem Plot, den Charakteren und der textlichen Gestaltung gearbeitet, so dass ich sehr stolz auf das Ergebnis bin. Ich hoffe, viele Cthulhu-Runden werden mit dem Abenteuer so viel Spaß haben wie wir in den Proberunden. Ein unvergessliches Erlebnis war, als wir auf einem Con mit zwei Spielleitern die Gruppe durch die Hölle der Somme-Front führten und die Dramatik von beiden Enden des Tisches steuern konnten.
CT: Das macht jedenfalls sehr neugierig! Aber kommen wir mal zu den Ideen, genauer gesagt: Woher nimmst Du deine Ideen?
OA: Ich lese sehr viel und das aus vollkommen unterschiedlichen Bereichen: Fantasy, Horror, Belletristik, Jugendliteratur (z.B. Tintenherz), usw. Viele meiner Ideen und Lokalitäten fügen sich zusammen bei der Lektüre eines Buches. Zumeist entwickelt sich der Grundgedanke noch stark weiter, so dass das Ergebnis schließlich kaum noch etwas mit der Grundidee gemein hat. Darüber hinaus gehe ich mit offenen Augen durch meine Umwelt und erhalte dadurch zahlreiche Inspirationen. Viele der NSCs in „Ein Sommenachtsalptraum“ erinnern beispielsweise entfernt an Freunde oder Bekannte.
CT: Ist das einem deiner Freunde schon mal aufgefallen?
OA: Bisher nur wenigen. Als bei einer Proberunde ein Nichtspielercharakter mit einer markanten Kriegsverletzung seinen Auftritt hatte war die Erheiterung groß, als einer der Spieler seinen ehemaligen Charakter erkannte. Die meisten Freunde haben allerdings den Text bisher noch nicht gelesen … ich sollte also nach der Spielemesse vielleicht vorsichtig sein, wenn ich Nachts alleine auf die Strasse gehe :-]
CT: Ist es eigentlich sehr schwer, bei all diesen bereits veröffentlichten Szenarien noch etwas Innovatives abzuliefern?
OA: Tatsächlich sind einige Entwürfe schrecklich überstrapaziert – zum Beispiel der Verwandte/Freund/Bekannte, der die Charaktere um Hilfe bittet – und wirken eher gezwungen. Auf der anderen Seite bieten aber diese abgetretenen Pfade auch Ansätze für Innovationen, in dem man sich kreativ mit Bestehendem auseinander setzt. Das gelingt meiner Meinung nach hervorragend dem Band „Unfassbare Mächte“, indem die NSCs immer wieder überraschen und die Plots durch abrupte Wendungen auffallen.
Zudem bietet der Cthulhu-Mythos noch sehr viele „unbefleckte“ Möglichkeiten und Geschichten, die erst noch erzählt bzw. erlebt werden müssen. Ich bin sehr optimistisch, dass den Cthulhu-Autoren die innovativen Ideen so schnell nicht ausgehen werden.
CT: Am besten ist es als Autor also, ein Klischee zu nehmen und so zu verdrehen, dass damit niemand rechnen würde?
OA: Das ist zumindest eine Möglichkeit die Inspiration anzuregen und zu neuen Ansätzen zu gelangen. Meine Spieler waren beispielsweise vollkommen verblüfft, als sich ein aus einer verbarrikadierten Kirche befreiter Priester im Showdown plötzlich gegen die Gruppe gestellt und sich als Antagonist herausgestellt hat. Das war übrigens bei einem umgeschriebenen Abenteuer aus „Blood Brothers“.
CT: Wie gehst Du vor, wenn du erstmal eine Idee hast?
OA: Ich gehe sehr strukturiert vor. Am Anfang steht erst einmal eine Grundidee. Aufbauend auf dieser mache ich ein Brainstorming, bei dem ich alle Plot-, Charakter- und Locationideen zusammenschreibe. Dann versuche ich alles in ein logisches Gesamtgefüge zusammen zu bringen. Hierbei hilft mir in der Regel ein Mindmapping, bei dem alles noch sehr „weich“ und „offen“ ist. In diesem Prozess kommen immer mehr Elemente dazu bzw. unpassende fallen weg. Erst wenn ich mit dem Plot zufrieden bin, strukturiere ich das Abenteuer so durch, wie die Kapitel in der Textversion aufeinander aufbauen sollen. Beim tatsächlichen Schreiben erhält das Abenteuer dann seinen letzten Schliff und viele Bestandteile können sich noch ändern. Bei „Ein Sommenachtsalptraum“ hat sich beispielsweise der Showdown erst beim tatsächlichen Schreiben entfaltet. Beim Mindmapping waren Uwe und ich noch von einem weniger spektakulären Ende ausgegangen.
CT: Welche Ratschläge würdest Du einem Anfänger-Autoren geben?
OA: Es fällt mir schwer, hier fundierte Ratschläge zu geben, denn ich sehe mich selbst noch als Anfänger. Grundsätzlich sollte man aber zuerst einmal mit einem kleinen, überschaubaren Abenteuer oder einem übersichtlichen Artikel für die Cthuloide Welten Erfahrungen sammeln. Wenn man sich gleich zu Beginn an die ganz großen Sachen heranwagt, ist die Gefahr sehr groß, niemals über den Stand einer Idee hinauszukommen.
Die Qualität eines Abenteuers beruht grundsätzlich – aus meiner Sicht – auf drei Grundpfeilern:
- Der Plot muss glaubwürdig, logisch und stringent sein und den Spielern immer genügend unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten verschaffen.
- Die NSCs müssen glaubwürdig, einprägsam und deren Motivation im Abenteuer nachvollziehbar sein.
- Den Charakteren muss eine bindende Motivation übermittelt werden.
In der vorbereitenden Kreativphase sollte man sich versichern, dass das Abenteuer diese Kriterien erfüllt.
CT: Ein Abenteuer für Cthulhu zu schreiben ist ja etwas anderes als eine Kurzgeschichte zu Papier zu bringen. Wo siehst du denn die Vorteile des Rollenspiels gegenüber einer Kurzgeschichte oder einem Roman?
OA: Ganz klar in der Interaktion und der Flexibilität. Ein Rollenspiel lebt von Kommunikation, sozialem Austausch und gegenseitigen Impulsen. Dadurch kann sich ein Spielabend vollkommen anders entwickeln als erwartet. Wenn dann alle Spaß daran haben, einen Charakter darzustellen, miteinander interagieren und zudem noch einen spannenden Plot erleben, ist es ein perfekter Abend. Bei einem Roman dagegen ist alles fest gefügt und starr. Die Geschichte wird genau so ablaufen, wie es der Autor entschieden hat. Dadurch ist es viel aufwändiger, eine Rollenspiel-Geschichte zu erfinden, da hier die logischen Verknüpfungen immer vollkommen stimmig sein müssen und man als Autor stets den Filter „Was würden meine Spieler tun?“ vor Augen haben muss. Letztendlich geht es bei einem Roman darum, eine Geschichte zu erzählen, beim Rollenspiel wird sie in Abhängigkeit von den involvierten Charakteren und deren Handlungsweisen erlebt und kann demzufolge vollkommen anders ablaufen und enden.
CT: Wechseln wir wieder das Gleis, hast Du dich auch mal an einer Kurzgeschichte oder einem Roman versucht?
OA: Bisher noch nicht. Ich schätze, meine Tendenz zu umfangreichen atmosphärischen Beschreibungen und aufwändigem Satzbau würden sicherlich auch in einer Kurzgeschichte funktionieren. Dazu hat mir übrigens meine Frau geraten, als sie die Texte für „Ein Sommenachtsalptraum“ Korrektur las. Mal sehen, vielleicht gibt es ja irgendwann eine Kurzgeschichte von mir.
CT: Wie siehst du denn die Zukunft des Cthulhu-Rollenspiels in Deutschland?
OA: Ich bin sehr zuversichtlich, dass auch in Zukunft Rollenspiele eine starke Fanbasis haben werden. Zwar werden immer mehr Spiele gespielt, bei denen die soziale Interaktion kaum noch wichtig ist – wie PC-Spiele oder Online-Games – entgegen dieser individualisierten Spiele wird es jedoch eine Gegenbewegung geben, die wieder den sozialen interaktiven Community-Ansatz sucht. Schon heute sehe ich erste Ausläufer in den sehr erfolgreichen Krimi-Dinnern in Hotels (z.B. http://www.dinnerkrimi.de) oder als Brettspiel (z.B. http://www.moerderische-dinnerparty.de). Mittlerweile sprechen mich sogar Kollegen, die niemals etwas mit Rollenspiel zu tun hatten, aufgrund einer Erfahrung mit diesen Medien, auf mein Hobby an. In sofern glaube ich nicht, dass das Rollenspiel aussterben, sondern stattdessen sogar breitere Schichten ansprechen wird. Das Cthulhu-Rollenspiel dagegen ist in seinen Motiven zu speziell, um jemals wirklich Massentauglich zu sein. Stattdessen wird es auch in Zukunft eine feste, anspruchsvolle Fangemeinde haben.
CT: Was bedeutet Dir Lovecraft und sein Werk?
OA: Lovecraft hat tolle Geschichten geschrieben und damit den Cthulhu-Mythos begründet. Zudem hat er viele weitere Autoren inspiriert und angeregt. In sofern hat er in seinem kurzen Leben einiges erreicht und geschaffen. Mir persönlich bedeutet Lovecraft aber nicht wirklich viel. Über seine Schriftstücke hinaus hat er mit seinem Leben nicht wirklich viel anfangen können.
CT: Wie bist du auf Lovecraft aufmerksam geworden?
OA: Über das Cthulhu-Rollenspiel. Als ich anfing, mich mit dem Rollenspiel zu beschäftigen, bin ich sehr schnell auf die ersten Geschichten von Lovecraft gestoßen.
CT: Welche Geschichte würdest Du jemanden empfehlen, der noch nie etwas von Lovecraft gehört hat?
OA: „Der Ruf des Cthulhu“, „Berge des Wahnsinns“, „Schatten über Innsmouth“ und „Das Ding auf der Schwelle“.
CT: Was macht die Geschichten zu einem guten Einstieg?
OA: Zuerst mal sind es sehr gute Geschichten. Zudem greifen sie typische Motive des Cthulhu-Mythos auf und geben so einen schönen ersten Einblick in die Thematik.
CT: Welche Geschichten magst Du von HPL denn gar nicht?
OA: Es gibt eine handvoll Lovecraft-Geschichten, die vollkommen abgefahren sind und mich überhaupt nicht überzeugen konnten. An einen Titel kann ich mich im Moment allerdings nicht erinnern.
CT: Und warum nicht?
OA: Die Geschichten waren vollkommen plotfrei und konnten mich überhaupt nicht abholen.
CT: Wie schaut es jenseits von Cthulhu aus, was gefällt Dir da?
OA: Ich habe ein sehr großes Bücherregal, und es ist randvoll gefüllt mit Regel-, Quellen- und Abenteuerbüchern. Im Horror-Bereich finde ich All Flesh Must Be Eaten für Survival-Horror sehr gelungen. Bei Fantasy-Abenteuern mag ich die düstere vollkommen unheldenhafte Tonality von Warhammer Fantasy Roleplay. Daneben bin ich immer auf der Suche nach abgefahrenen, innovativen Abenteuern, die mir Inspiration für meine Cthulhu-Gruppe und Abenteuer liefern.
CT: Hast Du schon was gefunden, was man auch für Cthulhu nutzen kann? Beispielsweise eignet sich die neue World of Darkness ja durchaus auch für Cthulhu Now.
OA: Es gibt schon einige Ansätze, die ich aus anderen Quellen auf Cthulhu transportieren konnte. Als meine Gruppe nach einigen detektivischen Herausforderungen mal unmittelbaren Horror erleben wollten, habe ich von All Flesh Must Be Eaten die Abenteuer „Coffee break of the living dead“ und „Zombie Run“ übertragen, und wir hatten großen Spaß damit. Auch „Das Monster aus der Spätvorstellung“ könnte einige – eher humoristsiche – Ansätze für Cthulhu liefern, ebenso „Private Eye“ und – für Cthulhu Now – „Unknown Armies“. Mit der World of Darkness habe ich mich bisher kaum beschäftigt.
CT: Kommen wir zur Literatur und damit auch gleich zum Ende unseres Interviews, welches Buch liest Du denn gerade?
OA: In der Regel lese ich mehrere Bücher parallel. So kann ich immer auswählen, worauf ich gerade Lust habe. Da wären „Tintenblut“ von Cornelia Funke, „1000 Places To See Before You Die“ von Particia Schultz und „Unfassbare Mächte“ von Pegasus.
CT: Und die besten Horrorfilme sind…?
OA: In letzter Zeit haben mir „28 Days Later“, „Shaun of the Dead“ und „The Ring“ sehr gut gefallen.
CT: Damit sind wir dann auch wieder am Ende, vielen Dank Oliver für das Interview, die letzten Worte gehören natürlich Dir! Wir wünschen dir für alle weiteren Projekte noch viel Erfolg! :-]
OA: Ich bedanke mich für das tolle Interview und wünsche allen Lesern weiterhin viel Spaß mit Cthulhu. Es würde mich freuen, den einen oder anderen bei einem Con oder einer Autorenrunde zu treffen.
Ich hab ne Entschuldigung, ich hab einen schweren Kopf von menem Geburtstag.
Aber das Interview ist dennoch gut geworden.
Nettes Interview, Herr Adam! Bin schon auf das WWI-Abenteuer gespannt.
Boah, was ist der Kerl denn da? Sieht mir nach einem beneidenswerten Muschel-Buffet aus!
*Neid*
Sowas! Ich habe das Interview gerade erst entdeckt! Warum macht mich der Olli nicht auf sowas aufmerksam?!