Zum Abschluss des Sommers, aber noch vor dem Interview mit Tom & Daniel (das sich leider ein wenig verzögert), haben wir hier das Gespräch mit Patrick J. Grieser, dem Gründer des Basilisk-Verlages. Wir hoffen das euch die Sommerinterviews gefallen haben und wünschen nun viel Spaß beim lesen!
Cthulhu-Team: Patrick, schön, dass du dir Zeit für das Interview nimmst! Stell dich doch einmal kurz vor, bevor wir mit den richtigen Sachen starten
Patrick: Ich bin 28 Jahre jung und lebe in einem kleinen Dorf in der Nähe von Darmstadt. Zurzeit schreibe ich meine Diplomarbeit im Fach „Klinische Psychologie“ (Thema: Schmerzkonditionierung und motorisches Lernen). Parallel dazu betreibe ich den Basilisk Verlag und arbeite als Verleger, Übersetzer und Buchautor.
CT: Du bist ja der Gründer des Basilisk Verlages, was hat dich dazu bewogen, einen eigenen Verlag zu gründen?
P: Mein Erstlingswerk „Der Hüter des Taermons“ sollte damals im Verlag Marxmühle erscheinen. Leider schloss der Verlag kurze Zeit später die Pforten, und mein Buch wurde dort nie gedruckt. Danach trat ein anderer Phantastik-Verlag an mich heran und zeigte Interesse an meinem Fantasy-Roman. Leider hat mir die Druckqualität der veröffentlichten Bücher aus dem Verlagshaus nicht gefallen, und so fasste ich den Entschluss einen eigenen Verlag zu gründen, um mein eigener Herr zu sein. Dies war die Geburtsstunde des Basilisk Verlags. Ursprünglich wollte ich nur das Taermon-Buch im Selbstverlag herausbringen. Das Buch verkaufte sich aber so gut, dass ich schließlich den Entschluss fasste, auch andere Autoren zu verlegen. Mittlerweile sind im Basilisk Verlag mehr als vierzig Bücher erschienen.
CT: Ist es eigentlich schwer, seinen eigenen Verlag zu gründen?
P: Eine Verlagsgründung ist sehr einfach – das kann man binnen weniger Tage erledigen. Schwieriger ist es jedoch, den Verlag über einen langfristigen Zeitraum am Leben zu erhalten. Am Anfang kennt noch niemand deinen Verlag, und du bist auf jeden Kunden, Händler etc. angewiesen. Wenn du nicht über genügend finanzielle Mittel verfügst, geht dem Verlag sehr schnell die Puste aus. Je länger du im Geschäft bist, desto mehr Leute werden auf deinen Verlag aufmerksam. Ich betreibe den Basilisk Verlag nicht hauptberuflich; ich habe das Bücherverlegen ziemlich lange als eine Art Hobby angesehen. Mittlerweile ist die Verlagsarbeit ziemlich aufwändig geworden, und es vergeht kein Tag, an dem ich nichts für den Verlag mache.
CT: Wie sieht deine tägliche Arbeit denn aus? Ich kann mir vorstellen neben der Diplomarbeit muss das doch ziemlich kräftezehrend sein oder?
P: Ich bin meistens bis 18:00 Uhr an der Uni und erhebe für meine experimentelle Studie Versuchspersonen oder schreibe an meiner Diplomarbeit. Danach geht es Richtung Heimat, wo die alltägliche Verlagsarbeit auf mich wartet. Bestellungen müssen bearbeitet, Emails beantwortet und die Korrekturarbeiten der Lektoren überprüft werden. Wenn ein Buch druckfrisch bei mir im Verlag eintrifft, nehme ich mir auch einmal eine Aushilfe, damit die Bücher rechtzeitig verschickt werden können.
CT: Wie kommen denn die Kontakte mit den Autoren zustande?
P: Ich schreibe die Autoren entweder direkt an oder kontaktiere ihren Agenten. Bei John Norman und Paul Kearney kam der Kontakt über die Agentur zustande.
CT: Mittlerweile gibt es ja doch mehrere Verlage im Phantastik-Bereich, könnte das ein Indiz für ein steigendes Phantastikinteresse in Deutschland sein?
P: Es gibt ein wachsendes Interesse an phantastischer Literatur. Zahllose Fantasy-Bücher werden zurzeit verfilmt, und das Bücherangebot auf diesem Sektor ist kaum noch zu überschauen. Der Markt ist in meinen Augen stark übersättigt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Geld bei den Leuten nicht mehr so locker sitzt wie früher – man kann nicht mehr alle Bücher kaufen.
CT: Horror ist ja nur ein Untergenre der Phantastik und wenn man mal in die Buchläden guckt, da stehen neben Stephen King, Dean Koontz und Richard Laymon eigentlich kaum andere Namen. Was ist los mit dem Horror-Genre?
P: Ich denke, dass es einfach zu wenig Nachwuchsschriftsteller gibt, die sich dem Horror-Genre annehmen. 90% der Manuskripteinsendungen, die wir bekommen, stammen aus den Bereichen Fantasy und Science-Fiction.
CT: Vom Horror-Genre zurück zu dir, schreibst du eigentlich noch immer?
P: Zurzeit schreibe ich den zweiten Teil der Mantel der Finsternis-Serie. Vor kurzem habe ich für einen anderen Phantastik-Verlag eine Horror-Kurzgeschichte fertig gestellt und davor für das russische Kosmetikunternehmen RougeBunnyRouge phantastische Texte für ihre Produktpalette entworfen und übersetzt.
CT: Das mit dem Kosmetikunternehmen klingt kurios, was waren denn das für phantastische Texte?
P: Der Kontakt kam durch einen alten Bekannten aus Chelsea zustande, der sich daran erinnerte, dass ich ja einen Phantastik-Verlag habe. RougeBunnyRouge hat eine neue Kosmetikkollektion herausgebracht und ihre Produkte in den Parfümerien weltweit mit einem sehr mystischen und phantastischen Konzept beworben. Die Produkte stammen aus dem sogenannten Verzauberten Garten, der von allerlei geheimnisvollen Kreaturen, wie z.B. Elfen, Feen usw. bewohnt wird, die für die Kreation der Produkte zuständig sind. Jedem Produkt liegt ein kurzer Text mit einer kleinen phantastischen Geschichte aus dem Verzauberten Garten bei.
CT: Und worum geht es bei deiner Horror-Kurzgeschichte?
P: Die Geschichte dreht sich um einen Kinderschänder, der eine junge Anhalterin mitnimmt. Eine bitterböse Hinterwäldler-Geschichte, die im amerikanischen Niemandsland spielt
CT: Und jetzt die Frage für alle angehenden Jung-Autoren: Wie schaffe ich es, dass mein Manuskript bei dir verlegt wird?
P: Gar nicht
Ich arbeite nur noch mit einem festen Autorenteam zusammen bzw. lasse mir Bücher und Manuskripte von Agenturen schicken. Wenn mich etwas interessiert, gehe ich auf die Leute zu und frage einfach einmal unverbindlich an. Unverlangte Manuskripteinsendungen kann ich aus Zeitgründen leider nicht mehr prüfen. Vor ein paar Monaten habe ich zusammen mit Horror-Autor Uwe Voehl ein Schreibseminar für angehende Autoren angeboten. Einer der Teilnehmer hat den Sprung in unser Verlagshaus geschafft: Er wird mit einer eigenen Kurzgeschichte in der Lovecraft-Anthologie „Dunwich – Ein Reiseführer“ vertreten sein.
CT: Schade! Was sollte ein angehender Autor deiner Meinung nach denn grundsätzlich beachten?
P: In der Vergangenheit habe ich oftmals dem einen oder anderen hoffnungsvollen Nachwuchsautor angeboten, an der einen oder anderen Serie im Basilisk Verlag mitzuwirken. Meine Angebote wurden leider abgelehnt unter dem Hinweis, dass man lieber eigenes Material veröffentlichen wolle. Solche Absagen kann ich leider nicht so genau nachvollziehen, da ich ihnen immerhin eine Plattform zur Veröffentlichung in unserem Verlag angeboten hatte. Ein angehender Autor sollte für mich flexibel sein; er sollte sich in bereits bestehende Reihen einarbeiten und nach Exposés schreiben können. Ein angehender Autor sollte objektiv mit Kritik umgehen können und Fehler als Chance sehen, es zukünftig besser zu machen.
CT: Kommen wir zum Altmeister des Horrors, was fasziniert dich an Lovecrafts Schöpfungen?
P: Die Ausweglosigkeit der Situation. Lovecrafts Protagonisten sind tragische Figuren, die oftmals dem Untergang geweiht sind. Ich habe ein Faible für tragische Figuren, die verzweifelt versuchen, ihrem Schicksal zu entgehen und dann am Ende doch scheitern und retrospektiv ihre Geschichte erzählen. Daneben fasziniert mich der unglaublich komplexe Kosmos, den Lovecraft geschaffen hat. Ich habe zu Hause einen Glossar, indem alle wichtigen Figuren, Kreaturen, Artefakte und Locations aus Lovecrafts Welten verzeichnet sind. Ich stöbere immer wieder gerne in dem Buch herum und entdecke immer wieder Neues. Daneben fasziniert mich noch Lovecrafts Menschenbild. Der Mensch, der nicht die Krone der Schöpfung ist und der nicht mehr als eine kümmerliche Lebensform in den Weiten des Alls ist.
CT: Wenn wir bei Lovecraft bleiben, welche Geschichten findest du sind am stärksten und erzeugen den greifbarsten Horror?
P: „Der Flüsterer im Dunkeln“, „Schatten über Innsmouth“ und „Träume im Hexenhaus“.
CT: Warum gerade diese?
P: Beim „Flüsterer im Dunkeln“ fand ich den Briefwechsel zwischen Akeley und dem Protagonisten unheimlich spannend. Mir bleibt vor allen Dingen in Erinnerung, wie der Protagonist zur Akeley-Farm reist und Lovecraft dabei geradezu plastisch das Hinterland beschreibt.
„Schatten über Innsmouth“ war meine allererste Lovecraft-Geschichte gewesen, und ich war sofort von Lovecrafts Schreibstil begeistert, und die Beschreibung dieses gottverlassenen Dorfs an der Küste habe ich noch deutlich in Erinnerung.
„Träume im Hexenhaus“ habe ich gelesen, als ich selbst noch am Anfang meines Studiums stand, und ich konnte mich sehr gut in die Rolle des Studenten Walter Gilman hineinversetzen. Daneben ist Gilman eine tragische Figur, die dunklen Mächten zum Opfer fällt – das gefällt mir
CT: Und wenn wir uns seinen schwächsten Werken zuwenden, welche gefallen dir gar nicht?
P: Ich kann auf Anhieb keine nennen, die mich nicht auf die eine oder andere Weise fasziniert hat.
CT: Der Mythos ist ja von weiteren Autoren immer wieder weitergesponnen worden, welche Autoren ragen denn da aus der Masse, deiner Meinung nach, besonders heraus?
P: Da fallen mir auf Anhieb Graham Mastertons „Die Opferung“, Michael Sheas „Die Farbe aus der Zeit“ und Michael Marraks „Imagon“ sowie einige Kurzgeschichten von August Derleth ein.
CT: Was macht diese Autoren zu etwas Besonderem? Gerade Derleth ist ja auch durchaus umstritten wegen seiner Interpretation des Mythos.
P: Graham Mastertons Schreibstil gefällt mir sehr gut. Er liest sich flüssig, und es entstehen sehr schnell Bilder vor meinem inneren Auge. Lediglich die in meinen Augen teilweise übertriebenen Sexszenen stören den nahezu perfekten Gesamteindruck. Ich beurteile Romane immer danach, ob mir bestimmte Szenen in Erinnerung geblieben sind, d.h. Bilder, die beim Lesen aufkommen und an die ich mich gerne zurück erinnere. Das war bei den o.g. Autoren durchaus der Fall. Gerade der unheimliche Stausee in „Die Farbe aus der Zeit“ ist mir da in bester Erinnerung geblieben.
Nicht alle Geschichten bzw. Interpretationen von Derleth haben mir gefallen. Beim Cthulhu-Mythos ist es manchmal wie mit der Bibel: Die Leute mögen es nicht, wenn man zuviel hineininterpretiert oder bestimmte Aussagen bzw. Elemente in einem anderen Licht darstellt
Ich persönlich finde, dass Derleths Geschichte mit den Ziegenmelkern zu den besten Kurzgeschichten gehört, die ich seit langer Zeit gelesen habe.
CT: Der Mythos wird ja auch im Basilisk Verlag weitergesponnen, unter anderem in dem Buch „Arkham – Ein Reiseführer“, der ja der Auftakt zu einer „Lovecraft-Country“ Reiseführerreihe ist. Wer hat sich denn alles daran beteiligt und wie kam das Buch bei den Lesern an?
P: Der Arkham-Band enthält Kurzgeschichten von Altmeister H.P. Lovecraft („Träume im Hexenhaus“) sowie Michael Marrak, Uwe Voehl, Markolf Hoffmann, Markus K. Korb, Christian von Aster, Andreas Gruber, Nicole Rensmann, Marc Alastor-E.E., Günter Suda, Rainer Innreiter, Sören Prescher, Martin Hoyer und Michael Siefener. Das Buch kam sehr gut bei unseren Lesern an und die Auflage von 800 Stück war binnen kürzester Zeit ausverkauft gewesen.
CT: Der Dunwich-Band ist ja bereits in Planung, was erwartet uns denn danach: Innsmouth und Kingsport vielleicht?
P: „Innsmouth“ wird voraussichtlich der dritte Reiseführer sein. Über weitere Bände habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
CT: Der Reiseführer für Dunwich ist ja auf 99 Exemplare limitiert, ist das nicht eine zu geringe Zahl für die vielen Mythosfans da draußen?
P: Die strenge Limitierung macht die Bücher zu etwas ganz Besonderem. Vor Kurzem gingen zwei Arkham-Reiseführer bei Ebay.de zwischen 60-70€ pro Buch weg. Die Basilisk-Bücher sind kleine Schmuckstücke für Sammler
CT: Was mache ich eigentlich wenn ich den Arkham-Band und den Dunwich-Band nicht bekommen habe, gibt es Chancen für einen Sammelband oder vielleicht eine 2. Auflage?
P: Ein Sammelband oder eine zweite Auflage des Arkham- bzw. Dunwich-Bandes ist nicht geplant. Die strenge Limitierung macht die Bücher ja gerade so begehrenswert
Ich empfehle bei der Ankündigung eines neuen Bandes aus der Edition Arkham sofort vorzubestellen oder sich ein Abo zu sichern. Allerdings wird die Zahl der Abonnenten immer größer, sodass es zukünftig vielleicht noch schwieriger sein kann, sich einen Band zu sichern.
CT: Was erwartet uns denn als Leser demnächst vom Basilisk Verlag?
P: „Totenmeer“ und „Dunwich“ sind die beiden Auftaktbände der Edition Arkham. Beide können nicht mehr vorbestellt werden, da alle Bestellplätze bereits weg sind. Neben „Totenmeer“ und „Dunwich“ wird demnächst noch die Horror-Novelle „Die Kirche der toten Zungen“ von Jason Brannon und James Newman erstmals als deutsche Erstveröffentlichung auf den Markt kommen. Das Buch erscheint in einer limitierten Sammlerauflage mit fünf b/w Illustrationen von Timo Kümmel.
CT: Vielen Dank für das Interview Patrick, die letzten Worte gehören natürlich dir!
P: Vielen Dank für euer Interesse am Basilisk Verlag
Die Sommerinterviews (und insbesondere dieses hier) haben mir sehr gut gefallen. Ich freue mich auch schon auf das Interview mit den Machern dieses Blogs.
Das wird noch ein wenig dauern, ich hab derzeit viel Arbeit und komme kaum dazu eure Fragen zu beantworten. Aber es ist nicht vergessen, wird halt ein Herbst / Winter Interview.