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Kolumne #1 – Das Grauen von Essen

Eigentlich wollte ich mit einem kleinen Beitrag über „Das Grauen von Dunwich“ diese unregelmäßige Kolumne starten, aber leider kam immer wieder etwas dazwischen. Die Spielemesse in Essen war zum Beispiel eines dieser Hindernisse, aber auch die Uni und anderen Verpflichtungen zollen leider ihren Tribut. Nun, ich hab mir jedenfalls jetzt etwas Zeit genommen, um von meiner erstaunlichen Heimfahrt von der Spielemesse zu berichten.

Horror Clix Cthulhu

Nun, eigentlich war es gar nicht die gesamte Heimfahrt, sondern nur die Wartezeit am Essener Hauptbahnhof. Ich saß dort mit Rucksack und einem großen Cthulhu-Karton (der die Horror-Clix Figur enthielt) auf einer etwas abseits gelegenen Bank und musste noch gute zehn Minuten in der finsteren Kälte ausharren die der späte Oktober verbreitete, als zwei Gestalten auf mich zuwankten. Ich befürchtete das Schlimmste, saß ich doch allein auf der abgenutzten Bank, während die anderen Wartenden sich die Zeit am Kiosk, am Kaffeeautomaten oder an der Fahrplanauskunft vertrieben, in der Hoffnung vielleicht doch noch irgendeinen anderen Zug aus der Stadt zu finden, bevor der Mond von den voluminösen Wolken verschluckt wird und sich Dunkelheit über Essen legt. Ich umklammerte also meinen Karton, legte die Füße enger um meinen Rucksack und sah auf den Boden als mich ein heiseres „Hey, hast´e mal 20 Cent für den Kühlschrank von zwei armen Studenten?“ aus den Gedanken warf und mich zwang nach oben zu blicken. Ich konnte ein Pärchen „Studenten“ erkennen, die wahrscheinlich 20 Cent für irgendetwas anderes benötigten, wenn auch nicht unbedingt für ihren Kühlschrank. Ich verneinte und wies darauf hin, dass ich ebenfalls ein armer Bettelstudent sei und ich deswegen nichts erübrigen konnte, während ich meine neuerworbene Statue des Großen Cthulhu streichelte. Ich dachte das sollte genügen, doch damit trat ich etwas los, was ich nicht für möglich gehalten hätte und was mich noch heute in mondlosen Alptraumnächten heimsucht. Der Student, er überragte seine Freundin bestimmt um 2 Köpfe, beugte sich herab und begutachte meinen Karton auf dem in großen Lettern „THE GREAT CTHULHU“ stand. Dann begann er zu murmeln. „Cthulhu, Cthulhu… Das kenn ich doch. Ist das nicht eine versunkene Maya-Stadt oder so?“ Ich verneinte und lächelte freundlich, hielt meinen Karton aber fest. „Ey man, ich bin mir sicher das ist so was, so´ne Stadt oder so…“ Ich erwiderte das Cthulhu eine Kreatur aus den Geschichten H.P. Lovecrafts ist, einem amerikanischen Autoren, der… „Ey, jetzt weiß ich´s man! NECRO-NOMICON! Jau, das ist es!“ Ich bestätigte ihm, dass seine Vermutung richtig wahr und seine Freundin lächelte etwas entrückt und fragte mich, ob ich das Ding auf der Messe gekauft hätte und das es doch sicher teuer war. Sie interessierte sich so sehr dafür, dass ich es aus dem Karton holte und ihr zeigte. Es war nicht das was sie erwartet hatte, ich vernahm jedoch keinen weiteren Kommentar von ihr, nur noch ein kurzes „Aha“, als ich mitteilte das die Figur recht günstig war. Eine von mir ersonne Notlüge, da ich mir selbst heute nicht ausmalen kann, was mit mir passiert wäre, hätte ich den wahren Wert mitgeteilt. Nun war der Student noch immer dabei seine verrauchten Sinne zu ordnen und ich lauschte wie er in sich reinmurmelte „Necro-nomicon… Ja, das war´s. Ey da stehen Sachen drin man, VOLL KRANKE SACHEN. Total abgedreht man.“ Seine Stimme steigerte sich wie die Zadok Allens, während ich bemüht war mein Lachen zu verkneifen und gleichzeitig vor Angst zitterte. „Das kannste dir runterladen im Internet man. Hab ich gemacht und was da drinsteht… Das ist doch von diesem Araber geschrieben… aal Hazret oder so. Woah, da steht Cthulhu drin und so andere Sachen. Die Götter und so.“ Ich bestätigte seine wirre Geschichte lächelnd und war froh als die beiden murmelnd und um keine 20 Cent reicher, davongingen. Ich ergriff meinen Karton, schulterte meinen Rucksack und ging zügigen Schrittes in Richtung der Fahrplanauskunft, zurück ins Licht. Ich warf einen Blick zurück auf die Bank im Dunklen, doch von den beiden Studenten der Metaphysik, sah ich nichts mehr…

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