Die Geschichte von Weihnachten ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Mittlerweile ist es wieder modern zu behaupten, dass das Weihnachtsfest eine Art notdürftig übertünchtes germanisches Jul-Fest ist. Dabei wird auch, oft unbewusst, Halbwissen und politisch geprägtes Pseudo-Wissen aus der NS-Zeit aufgewärmt. Aber auch wenn selbst seriöse Zeitungen solche Aussagen kolportieren, ist es so nicht richtig beziehungsweise arg verkürzt dargestellt. Kurz gesagt sind Feiern zur Wintersonnenwende eine Jahrtausendealte Tradition, die sich quer durch die Kulturen zieht. Das christliche Weihnachtsfest und seine Merkmale sind eine relativ moderne Erfindung und der Zeitpunkt hat mehr heidnische und astrologische Gründe als christliche.
Beleuchten wir zuerst das Weihnachtsfest. Dieses scheint Vielen als urchristliches Fest zur Geburt Jesu, die in der Nacht zum 25.12. war. Seine Bestandteile wie zum Beispiel der Tannenbaum seien mindestens jahrhundertealte Traditionen, wobei es mittlerweile auch hier schick ist zu behaupten, dass es germanische Ursprünge gäbe. Letzteres ist aber schwer zu begründen, wenn diverse Weihnachtstraditionen historisch gesehen brandneu sind. Bei den ersten Christen gab es keinerlei Feste zu Jesus Geburt, denn diese erschien im Vergleich zu seinem Tode und der Wiederauferstehung unwichtig. Dieser Brauch bürgerte sich erst im Laufe des 3. Jahrhunderts nach Christi ein, wobei der Geburtstag aber am 6. Januar vermutet wurde, beziehungsweise eigentlich übertragen zu verstehen war, ging es bei diesem Termin eigentlich um die Taufe Christi. Warum feiern die Christen heute dann am 25. Dezember? Wie eingangs schon erwähnt sind Feste zur Wintersonnenwende historisch gesehen weit verbreitet gewesen. Auch im römischen Reich gab es zur Wintersonnenwende ein wichtiges Fest, genauer gesagt am 25. Dezember zu Ehren des Sol Invictus, der „unbesiegten Sonne“. Die Ähnlichkeit zwischen Sonnengott und Jesu sind zu vielfältig um hier näher darauf eingehen zu können. Der Kult um die Verehrung des Sol Invictus war der größte Konkurrent des aufstrebenden Christentums, sodass es zu Machtkämpfen kam, die die Christen letztlich für sich entscheiden konnten. Da der wahre Geburtstag Jesu nicht bekannt war, Jesu starke Aspekte eines Sonnengottes hatte und der 25. Dezember als religiöser Feiertag schon eingebürgert war, legte der römische Bischof Liberus im vierten Jahrhundert fest, dass Christus Geburt eben an jenem Tage zu feiern sei. Wir sehen also, dass der Tag nicht zufällig bestimmt wurde, aber eben nicht allzu viel mit einem realen Termin zu tun hat, wenn man denn überhaupt von Jesus Christus als realer historische Person ausgeht.
Was haben nun die Germanen mit Weihnachten zu tun? Ohne Zweifel gab es bei den vorchristlichen Germanen ein Fest zur Wintersonnenwende, allerdings lässt sich aufgrund der spärlichen Quellenlage kaum etwas darüber sagen. Etwas besser ist die Informationslage über das Mittwinterfest der Nordgermanen zur Wikingerzeit, allerdings sollte man nicht vergessen, dass die Texte dazu erst lange nach der Missionierung niedergeschrieben wurden. Im Zuge derselben gelangte das römisch überformte Christfest vom 6. bis zum 9. Jahrhundert in den rechtsrheinischen Raum, nachdem das Christentum schon länger in den ehemals römischen Gebieten des heutigen Deutschland Fuß gefasst hatte. Sicher erleichterte die zeitliche Nähe zur Sonnenwende die Einführung des neuen Festes, aber es ist nicht so, dass die Missionare ein existierendes Fest einfach „christlich umdeuteten“, sie brachten vielmehr das kirchliche Fest der Geburt Christi als ein überwiegend fertig ausgeprägtes Fest aus dem römischen Raum mit. Die Ähnlichkeiten zwischen dem christlichen Weihnachtsfest und dem germanischen Julfest sind also überwiegend der Tatsache geschuldet, dass beide, in unterschiedlicher Deutung, den Sieg der Sonne über die Dunkelheit feiern. Nur in wenigen deutschen Ausprägungen des Weihnachtsfestes schimmern Motive durch, die der germanischen Religion geschuldet sein mögen, wobei die Beweislage dafür oft schwierig ist.
Religiös betracht war Weihnachten ein eher nachrangiges christliches Fest, die Entwicklung zum heutigen Familienfest setzte erst in der Neuzeit ein. Der Tannenbaum mag der alten Verehrung der Germanen für Bäume geschuldet sein und grüne Zweige waren zur Mittwinterzeit seit langem als Lebenssymbol gebräuchlich, trotzdem kann nicht einfach behauptet werden, der Weihnachtsbaum wäre altgermanisches Brauchtum. Der heutige Fest-Schmaus kann auch nicht einfach als Nachfolger des Jul-Schmaus gewertet werden, ist es doch keine Seltenheit, dass ein Fest mit einem guten Mahl begangen wird. Der Adventskranz wäre zwar symbolisch leicht als Jahres- oder Lebens-Rad zu identifizieren, ist aber ein sehr neuer Brauch und ein direkter oder auch nur ähnlicher historischer Vorfahr ist nicht beweisbar.
Erst im 19. Jahrhundert waren alle Komponenten des heute bekannten bürgerlichen Familienfestes komplett: Festessen, der geschmückte Tannenbaum, Geschenke, schließlich der Adventskranz und ab dem Biedermeier der Weihnachtsmann. Ab hier kann man von einer Verweltlichung sprechen, der Weihnachtsgottesdienst wird immer unwichtiger, wenn man diese überhaupt noch besucht, dafür wird mehr Wert auf die Bescherung im Familienkreis gelegt. Weihnachten inklusiver seiner Inhalte und Symbole sind also nicht einfach auf germanisches oder allgemeines heidnisches Brauchtum zurückzuführen. Die Christen übernahmen von den Heiden den Termin und die Wintersonnenwende galt vielen alten Völkern und Kulten als Sieg der Sonne über die Dunkelheit, wobei Jesus Christus auffallend viele Bezüge bei Jesus Christus zur Sonnensymbolik besitzt. Blendet man die Frage aus, ob Jesus Christus nicht einfach ein weiterer Name beziehungsweise ein weiteres Symbol für „den Sonnengott“ war, dann ist Weihnachten ein im Kern christliches Fest, dass von heidnischen Festen den Termin und nur indirekt Bestandteile übernommen hat. Ansonsten müsste man feststellen, dass die Sonnenverehrung im christlichen Glauben weiterlebt. So oder so ist das heutige Weihnachtsfest von vielen Einflüssen und Bräuchen geprägt; seien es frühneuzeitliche Zunftbräuche; adlige Selbstdarstellung; romantische Kunst; volkpädagogische Ansätze; bürgerliche Harmoniesucht; proletarischer Sehnsucht nach einer besseren, heileren, Welt und auch einem großen Schuss kapitalistischer Verkaufsstrategie.