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World of Lovecraft

Als H.P. Lovecraft seinerzeit andere Autoren ermutige, mit an seinem Mythos zu schreiben, hatte er sich sicher nicht vorgestellt, dass sich im Jahr 2009 Millionen von Zwergen, Untoten und Trollen auf machen würden, um in comicbunter Fantasywelt gegen die Großen Alten in die Schlacht zu ziehen. Doch inzwischen bedient sich das erfolgreiche MMORPG World of Warcraft recht deutlich am Kosmischen Schrecken.

C'Thun

C'Thun

Im Spiel ist so die Rede von äußert mächtigen, vorsintflutlichen Wesen, Old Ones genannt, die einst von den weltenformenden Titanen eingekerkert wurden und nun schlafend auf die Neuerrichtung ihrer Tyrannei warten – oder diese sogar bereits anstreben. Zum einen wäre da C’Thun, ein massiges Wesen, welches mit gewaltigen Augen und schuppigen Tentakeln bewehrt ist. Es ruht in den Katakoben eines uralten Tempels und galt lange Zeit als der schwierigste Endgegner des ganzen Spieles; ja sogar als unbesiegbar.

Yog-Sarron

Yog-Sarron

Übertroffen wurde er erst kürzlich aber noch von dem Totengott Yogg-Saron, der Bestie mit den tausend Mäulern. Auch dieser wurde tief unter der Erde eingekesperrt und sein schleimiger, riesiger Körper verseucht die Wurzeln des Weltenbaums, während das Flüstern seiner unzähligen Stimmen seine ehemaligen Bewacher in den Wahnsinn getrieben hat. Und ach die Helden die ihm entgegentreten stehen in einem ständigen Wettlauf gegen das Zerbrechen ihres Verstandes. Im Internet finden sich unzählige Videos, die diese Kämpfe dokumentieren.

Es lässt sich kaum leugnen, dass man sich hier von Namensgebung über Hintergrundgeschichte bis hin zum Aussehen stark von lovecraftesquen Motiven leiten lassen. Aber neben diesen imposanten Großen Alten finden sich in World of Warcraft unzählige weitere Anspielungen oder Hinweise auf den Mythos:

General Vezax

General Vezax

So kann es passieren, dass man auf wilde Wendigos, Dr. Herbert Halsey, einen begabten Alchemisten, oder auch einen gewissen Dextren Ward trifft, welcher dabei erwischt wurde, wie er Leichen vom örtlichen Friedhof entwendete. Und Yog-Sarrons tentakelgesichtiger Heerführer vom oktopusartigen Volk der Gesichtslosen macht einen recht vertrauten Eindruck, ebenso wie der Meeresriese Dagun. Möglichweise stößt man aber auch auf das Arcanomicon, ein uraltes Werk über die Linien der Magie, oder enträtselt die Ryun’eh-Tafeln…

Die durchaus scherzhafte Art und Weise wie mit diesen Adaptionen umgegangen wird, lässt darauf schließen, dass es sich hierbei um eine ganz eigene Art der Hommage handelt und nicht etwa um schnöde Plagiatur. Auf jeden Fall aber ist es sicher interessant, den “Rollenspiel-Schreck” World of Warcraft von seiner cthuloiden Seite kennenzulernen.

(Die Bilder stammen von WoWwiki.com)

Autor: Stefan

Trotz meines eher klapprigen Synonyms bin ich erst Jahrgang 88, womit ich wohl zum unteren Ende der Blog-Demographie gehören dürfte. Ich studiere im sehr cthuloiden Göttingen und habe mich erst vor kurzem entschlossen, nach Jahren des „Konsums“ nun selbst für mein größtes Hobby, das Cthulhu-Rollenspiel aktiv zu werden.

5 Kommentare

  1. Spitze :-]

    Bei Fallout 3 gibt es auch Anspielungen und bei The Witcher gibt es sogar einen Kult um Dagon und ein Kinderlied mit “Es ist nicht tot was ewig liegt…”

  2. Yog-Sarron, soso… da is jetzt aber schon n bisschen Mittelerde auch eingeflossen…

    Was Andeutungen angeht, die sind ja leicht mal für die Katz, wenn der Autor nicht eben ganz mächtig mit der Zaunlatte winkt – bzw. eben nicht für die Katz, sondern für ein kleines Häufchen Eingeweihter und/oder Wissender, die sich dann eins kichern dürfen über alle die Pappnasen, die’s lesen und doch nicht verstehen… hier ist das eher so Mittelding, weil das Häuflein der Lovecraft-Leser mittlerweile nun doch nicht mehr ganz so klein und elitär ist. Vgl. auch, als Led Zeppelin Ende der 60er Andeutungen auf den Herrn der Ringe in ihre Texte packten, die auch an ungefähr 99% der damaligen Hörer vorbeigegangen sein dürften… :)

    …mir ist das also nicht weiter schlimm, nö.

  3. Auch wenn ich dem Spielprinzip von WoW nicht viel Interesse und Spaß angewinnen kann: Die Hintergrundwelt, die Ideen und vor allem die zahlreichen Anspielungen sind auf jeden Fall ein Lob wert. Das WoW sich zu dem entwickelt hat, was es heute ist, kann ich nur bedauern. Als damals ein “Computerrollenspiel” in der Welt von Warcraft angekündigt wurde, hatte ich wirklich andere Erwartungen, die nach kurzer Spielzeit leider verflogen sind. Schade.
    Mir sind jedoch persönlich zwei WoW-Spieler bekannt, die erst durch C’Thun und Co. auf die Werke Lovecrafts aufmerksam geworden und nun regelrecht Fans geworden sind. Das hat dann doch was Gutes für sich. :)

  4. Ob die Anspielungen einen Lob wert sind ist wohl Geschmackssache. Finds eh nur so “müdes lächeln”. Ein leichter Hauch des sichs lustig machens gegenüber Lovecrafts Geschichten kommt in den Game auch rüber, kann mich auch täuschen. Naja, WoW kopiert vieles, aber wenn einer angeblich von WoW kopiert schreien die WoW-Fans rum, so mal nebenbei. WoW kann ich auch nix abgewinnen, weil da auch nur die die mehr Geld ausgeben auch mehr haben und die wird man eh nicht schlagen können außer man sitzt Jahre an dem Spiel dran und das exzessiv.

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