Permalink

1

Warum ich Cthulhu spiele

Mein Großvater hat vor fünfzig Jahren eine dreihundertachtundneunzig Meter lange Buchsbaumhecke gepflanzt, die den Obst- und Gemüsegarten, die Rosensträucher, den Rasen voller Schlüsselblumen und Birnbäume umschließt, die hinten an der Mauer Spalier stehen.

Ich habe von ihm das Haus, den Garten, die Freude und die Aufgabe der Pflege geerbt. Zwanzig Jahre nach seinem Tod waren die Hecken verwildert. Eines Tages fasste ich den Entschluss, mich darum zu kümmern. Ich habe eine alte Schere gesucht, sie gewetzt und mich an die Arbeit gemacht. Eine Stunde später blickte ich von meiner Arbeit auf. Mein Nachbar schaute über den Zaun. Er schüttelte etwas missbilligend den Kopf.

“Du wirst doch das alles nicht mit der Hand machen?” sagte er zu mir. “Das kostet viel zu viel Zeit. Und außerdem wirst Du deinen Arm dabei kaputt machen.”

Dann verschwand er. Eine Viertelstunde später kam er mit einem breiten Lächeln zurück. Dabei schwang er eine Art Waffe in der Luft.

“Nimm, damit gehts schneller.”

Ich näherte mich ihm, bedankte mich und nahm das Teil an mich. Es war eine elektrische Heckenschere. Ihre Form erinnerte an einen Sägehai, ihre Farbe und Gewicht an eine Maschinenpistole. Sie wäre mir beinahe aus der Hand gefallen. “Du gibst sie mir wieder, sobald Du fertig bist. Du wirst sehen, das ist etwas ganz anderes.”

Drei Verlängerungsschnüre waren nötig. Die Vorbereitung dauerte am längsten. Dann musste ich nur noch auf einen Knopf drücken und die Heckenschere halten. Alles andere erledigte sie alleine. Sie machte so viel Lärm wie ein Zahnarztbohrer.

Sie köpfte die jungen Pflanzen, stutzte wild wachsende Zweige zurecht und machte in drei Sekunden zehn Jahre anstrengender Natur zunichte. Nach zweistündiger Arbeit hatte ich einen roten Kopf, schmerzende Arme und eine fünfzig Meter lange sauber gestutzte Hecke. Ein tolles, spektakuläres und sichtbares Ergebnis.

Am nächsten Tag war es schön und kalt. Mit den ersten Sonnenstrahlen kehrte ich zu meiner Arbeit zurück. Doch in dem gnadenlosen Licht dieser Stunde wirkte die Arbeit nicht mehr so perfekt. Hier stand ein Zweig ab und dort war eine Ecke zu gerade. Ich war zu schnell gewesen, viel zu schnell. Ich habe zu schnell gestutzt, zu gerade. Ohne Nuancen, ohne Eleganz. Ich ließ die Heckenschere und das orangefarbene Verlängerungskabel am Boden liegen und holte die alte Schere meines Großvaters. Dann legte ich meine Hände dorthin, wo seine lagen und wiederholte seine Gesten, langsam und besessen. Ich besserte aus, rundete ab, verschönte. Ich arbeitete lange und still. Ein klappern wie im Friseursalon hatte das schrille Dröhnen vom Vortag ersetzt. Die winzigen Blätter fielen Büschelweise zu Boden. Am Ende des Vormittags war ich zwar immer noch nicht viel weiter, doch war ich mit der Arbeit zufrieden. Ich hatte den Eindruck, vorangekommen zu sein, entsprechend meines Rhythmus. Ich hatte die Arbeit im Griff, die statt Grips Leistung verlangte. Warum sich beeilen? Man fühlte sich in diesem Märzgarten wohl, in dem es noch nach dem Feuer der letzten verbrannten Blätterhaufen roch, in dem mich ein Eichhörnchen streifte, und in dem sich die erste betrunkene Biene auf meiner Faust niederließ.

Jedes Mal wenn ich zu meinem Füller greife, denke ich an die Größe der Buchsbaumhecke, die viel Arbeit, aber auch viel Freude bereitet hatte. Ich denke an sie, wenn in der Klasse, in der ich über Literatur spreche, mich eines der Kinder fragt, ob ich mit dem Computer schreibe oder mit der Hand, und ich ihm nur antworte:

“Das ist, als würde man mich fragen: “Gehen Sie zu Fuß oder mit dem Auto?” Man läuft mit den Füßen und schreibt mit den Händen.” Der Rest, Geschwindigkeit und Leistung erreicht man manchmal auch mit einer Maschine. Doch der Mensch genießt mit der Hand. Es gibt Sätze, die man nur mit der Hand schreibt. Es gibt Orte, wo man nur zu Fuß hinkommt. Es gibt eine Zeit, die nur sinnvoll ist, wenn man das Gefühl hat, sie sei verloren, und die nur dann existiert, wenn man sie begrenzt.

Meine Großväter, die Schriftsteller der Vergangenheit, haben von Jahrzehnten Bilder, Atmosphären und Helden eines “romantischen Frankreichs” geschaffen. Sie liebten den Dschungel und die englischen Gärten, den Frost, die Trockenheit, die Jahreszeiten. Sie suchten, strichen durch und korrigierten. Sie haben die Sprache beeinflusst; sie haben an ihr gearbeitet. Diese Sprache habe ich geerbt, aus dem Füller in meiner Hand fließen jetzt diese Sätze.

Das altmodische, staubige und muffige. Uralte Folianten, das Geklapper der Würfel, die Geborgenheit und Beständigkeit. Das sind die Dinge die ich liebe. Meinen schwarzen Füller, das schwarze Notizbuch in das ich die Ideen schreibe die mir so zufliegen. Den knarzenden Dielenboden in der Bibliothek, die klassische Bankerslamp die meinen Schreibtisch ziert. Darum mag ich Cthulhu.

Permalink

2

Gruselige Adjektive

Dr. Clownerie hat die Liste überarbeitet und mir freundlicherweise wieder zur Verfügung gestellt. Nun will ich sie euch nicht länger vorenthalten.

Abgrundtief
Abnorm
Abscheulich
Absonderlich
Abstoßend
Absurd
Alptraumhaft
Angsterfüllt
Bizarr
Blasphemisch
Dämonisch
Degeneriert
Düster murmelnd
Egelartig
Ekelig
Entsetzlich
Faulig
Finster
Formlos
Furchtbar
Geifernd
Geisterhaft
Gespenstisch
Glimmend
Glubschend
Glucksend
Gotteslästerlich
Grässlich
Grauenhaft
Grauenvoll
Gräulich
Grollend
Grotesk
Gruselig
Hypnotisch
Irremachend
Kakophonisch (Kakophonie=Missklang)
Körperlos
Krankhaft
Linkisch
Miasmatisch (kränklich)
Modernd
Morbide
Pervers
Rauschend
Rhythmisch wellend
Sardonisch (boshaft verzerrt)
Schauderhaft
Schleimig
Schmatzend
Schmierig
Schrecklich
Schwammig
Schwarz glänzend
Schwärzlich
Sinister
Sonderbar
Surreal
Triefend
Übernatürlich
Unaussprechlich
Unbeschreiblich
Unbestimmbar
Unchristlich
Undurchdringlich
Unfassbar
Unförmig
Ungeahnte Schwärze
Ungeheuerlich
Unheimlich
Unnatürlich
Verfallend
Vermodert
Verpestet
Verstörend
Verzerrt
Wahnsinnig
Wälzend
Wunderlich
Wurmstichig
Zerbröckelnd
Zerreißend
Zerrüttend

Permalink

0

Rollenspieler im Profil

Interviews sind In, alle wichtigen Leute werden interviewt oder schreiben Selbstdarstellungen. Nun ich hab beschlossen auch wichtig zu sein, daher hab ich mich mal für diesen Blog selbst interviewt. Leset das Ergebnis:

Rollenspieler im Profil: Thomas M. Weghofer

Cthulhianasammler. Lovecraftkenner & Begründer von “Cthulhu Live”

1) Unter welchem Namen soll dich die Welt kennen(lernen)?

Thomas M. Weghofer a.k.a. Tom und früher Sandman. Bei den Blutschwertern bin ich unter Cthulhu.de zu finden. Liegt daran das mein Nick schon vergeben war.

2) Was bist du/machst du innerhalb der Rollenspielgemeinschaft?

Cthulhu Fanboy und freier Mitarbeiter bei Pegasus. Admin im Cthulhu Forum, die gute Seele der Cthulhu Community. Fanatischer Sammler von Cthulhiana mit einer fast vollständigen Sammlung von Material welches jemals für Call of Cthulhu erschienen ist. Lovecraftkenner und so ganz nebenbei hab ich Cthulhu Live nach Deutschland gebracht und veranstalte seit 1989 regelmäßig 2-3 Liverollenspiele im Jahr nach den Motiven von H. P. Lovecraft.

3) Seit wann spielst du Rollenspiele? Wann und wie hat bei dir alles angefangen?

1982 hatte ich meine erste Begegnung mit AD&D. Das war in einem Laden für Konsolenspiele. In einer Ecke stand eine Glaspyramide und da war damals das englische AD&D Spielerhandbuch darin. Irgendwie hat mich das angesprochen und ich bin dann mit einem der Typen die da immer rumhängen ins Gespräch gekommen. Es hat sich schnell rausgestellt das er der SL war und noch einen Platz frei hatte in seiner Gruppe. Zwei Jahre später hab ich dann mit DSA meine ersten Erfahrungen als Meister gemacht und 1985 kam dann schon Cthulhu dazu.

4) Was war dein erster Charakter, und in welchem System? Existiert der Charakter noch?

Wie er hieß weiß ich nicht mehr, aber es war ein Krieger auf Greyhawk (AD&D). Leider existieren keine Unterlagen mehr über den Charakter.

5) Welches Rollenspiel ist mit Abstand über die Jahre hinweg dein Lieblingssystem? Und wieso?

Eindeutig Cthulhu. Das Spiel begleitet mich jetzt seit 22 Jahren. Anfangs als Drittsystem, später als Zweitrollenspiel und jetzt als einziges Setting das ich überhaupt noch regelmäßig als SL leite.

6) Welches System würdest du nur mit Handschuhen anfassen? Und weshalb?

Rolemaster. Tabellen waren mir schon immer ein Gräuel und dieses Rollenspiel treibt es einfach an die Spitze.

7) Dein absoluter Rollenspiel-Geheimtipp? Und warum?

Cthulhu. Was sonst? Ein sehr einfaches und eingängiges Regelsystem, kombiniert mit dem besten und interessantesten Hintergrund den ich kenne.

8) W20…W10…W4…?

W% ist mein Favorit. Aber ich hab mir extra einen ganzen Satz Würfel aus Jade angefertigt, gekauft. Da ist vom W4 bis zum W% alles vertreten. Die liegen auch schön in der Hand und machen optisch was her.

9) Deine beste Runde war als…?

Spielleiter bei Cthulhu. Die Stimmung war so dicht und förmlich mit den Händen greifbar das sich die Spieler nichtmal mehr getraut haben auf die Toilette zu geben. Mir wurde danach erzählt das sie sich auf dem Heimweg mehrmals umgeschaut haben und alle einen ziemlich schnellen Schritt drauf hatten. Dazu muss ich sagen das wir zu dieser Zeit noch bei uns im Jugendzentrum gespielt haben und das war quasi Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald…

10) Deine schlimmste Runde war als…?

Zum Glück hatte ich noch nie so schlimme Runden und wenn dann hab ich das Ergebnis erfolgreich verdrängt. Schlechte Erfahrungen hab ich eigentlich nur bei Buffy, aber da hat mich das Setting nie angesprochen und der Spielleiter war eine absolute Niete.

11) Spieler oder Spielleiter?

Spielleiter. Nach all den Jahren macht mir das Geschichtenerzählen immer noch am meisten Spaß. Außerdem ist es sehr befriedigend zu sehen dass sich die Spieler mal wieder gegruselt haben. Als Spieler bin ich ein Method Actor, mitunter sehr zum Leidwesen meines jeweiligen SLs.

12) Regelfuchser oder Freistilspieler?

Vom Regelfuchser zum Freistilspieler. Genau das liebe ich an Cthulhu. Da gibt es ein Grundregelwerk und das war’s. Keine Companions, Zusatzbände und was der Markt nicht alles kennt. Ich bin kein Freund umfangreicher Regelwerke mit Unmengen von optionalem Krimskram. Die Zeiten sind schon lange vorbei. Mit dem Alter wird man ruhiger und sieht das alles viel gelassener. Die Geschichte ist es, die zählt, nicht das System.

13) Storyteller oder Würfelfetischist?

Eindeutig Storyteller. Je älter ich werde und je länger ich dabei bin desto öfter bleiben die Würfel liegen, zieren einfach nur den Tisch und haben gut auszusehen.

14) Spielen auf Conventions? Oder lieber die gemütliche Runde zu Hause?

Am liebsten zu Hause im eigenen Zimmer. Ansprechend dekoriert im bequemen Sessel leitend. Aber um Cthulhu unter das Volk zu bringen natürlich auch auf Cons, sofern es meine wenige Freizeit erlaubt.

15) Bier, Cola, Met, Wein? Chips, Pizza oder Kaviar? Was gehört zu einem Rollenspielabend dazu?

Ein Glas Absinth, Wein oder Whiskey, mehr ist dann als Spielleiter nicht drin. Beim Essen bin ich nicht so wählerisch, meist Pizzadienst oder Asiate. Ganz selten kochen wir gemeinsam.

16) Fast jeder von uns hat ein paar hehre Rollenspielträume in der Schublade. Welche „Leichen“ liegen bei dir im Schrank?

Eigentlich keine. Ich hab nie die Ambitionen gehabt etwas eigenes zu entwickeln. Ich war immer mit dem vorhandenen zufrieden. Vielleicht fehlt es mir auch für solche Dinge an Fantasie. Und Zeit hab ich ohnedies nicht.

17) Mit welcher Idee könnte man die Rollenspielwelt revolutionieren?

Das klaue ich mal von Ralf Sandfuchs. Der hat da was cooles geschrieben. „Mit einer Idee, die den Kids von heute klar macht, dass es cool sein kann, wenn man einfach nur am Tisch sitzt und etwas erzählt, und ja, wirklich ohne Computer.“

18) Ein paar letzte weise Worte an alle Rollenspieler dieser Welt? (Okay, alle Leser dieses Blogs. :-) )

Cthulhu rulez. Yeah. Und natürlich danke an Pegasus das sie mein Lieblingsspiel so umhegen und pflegen.

Page 140 of 140« First...102030...136137138139140